| Campionati Mondiali Juniores di Orienteering 2009 oder besser kurz: meine erste JWM |
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| Geschrieben von Johanna Schmidt | |
| Donnerstag, 23. Juli 2009 | |
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Unser Ziel war vorerst eine Hütte auf dem Passo Cereda, inmitten einer malerischen Berglandschaft. Die Unterkunft teilten wir uns mit dem Südafrikanischen Team, in der Nachbarhütte wohnten außerdem die Läufer auf den USA und Kanada. Es ist schon erstaunlich, wenn man darüber nachdenkt, dass man hier die Tage mit Menschen verbringt, die sonst viele tausend Kilometer von einem weg wohnen. Morgens wurden wir meistens von der Sonne geweckt, die sich im Laufe des Tages aber immer seltener zeigte und gegen Abend regnete es häufig. Wir machten jeden Tag ein lockeres (oder zumindest kurzes) Training und den Rest der Zeit spielten wir Volleyball, Frisbee oder Kartenspiele, redeten und lachten vor allem viel. Eigentlich konnte ich mir in diesem Augenblick keinen schöneren Urlaub vorstellen.
Tags darauf war die Eröffnungsfeier im Stadtzentrum, bei der die Athleten eine kleine Runde durch eine von Menschenmassen gebildete Gasse gehen durften. Dieses Gefühl durch diese Gasse zu laufen, bei dem die Menschen für einen jeden applaudieren, obwohl man ja eigentlich noch nichts geleistet hat, ist unbeschreiblich.
Hatte uns die Sonne in der ersten Woche wenigstens noch vormittags Hoffnung darauf gemacht, dass es ein schöner Tag werden könnte, war das Wetter in der zweiten Woche vor allem eines: nass.
So ein Wettkampftag ist schon ein kleines organisatorisches Meisterwerk. Die Tage waren im Prinzip komplett durchgeplant: das fängt damit an, wann wer frühstückt, wer mit wem wann welchen Bus nimmt, wann man auf der warm-up-map läuft, in den Vorstartbereich muss, welcher Trainer im Start, im Ziel oder an der „coaching-zone“ auf einen wartet und schließlich wie man wieder zurück zum Hotel kommt. Der Sprint startete in den Gassen des kleinen Örtchens Imér, führte dann über eine Wiese und zum Schluss noch einmal in das Örtchen Mezzano. Es galt also das Tempo dem wechselnden Gelände anzupassen, die größte Schwierigkeit bestand darin, die Geschwindigkeit im Ort soweit zurückzufahren, um ja nicht die falsche Gasse zu erwischen. Der Weg zum Langdistanz-Wettkampf war eine fünfzigminütige Busfahrt- hauptsächlich Serpentinen- bis auf 2000m Höhe zum Passo Rolle. (im Laufe der Vorbereitungstrainingslager und der Wettkampfwoche bin ich diese Strecke so oft gefahren, dass ich allmählich das Gefühl hatte jede Kurve auswendig zu kennen)
Bei der Langdistanz war ich zugegebenermaßen mit der vor mir
liegenden Aufgabe etwas überfordert. So kam es dann auch, dass die hinter mir
gestartete Tschechin (die beim Sprint Vizeweltmeisterin wurde) mich schon am
zweiten Posten eingeholt hatte. Wir liefen gemeinsam zum dritten Posten und ich
bemerkte, dass sie ziemlich unsicher lief. Deshalb nahm ich mir für den langen
Schlag zum 4. Posten vor, nicht hinterherzulaufen. Ich suchte schließlich
zuerst im falschen Tal und anschließend noch ewig im Postenraum, insgesamt 10
min. Ich war sauer auf mich, nicht hinterhergelaufen zu sein und war auch nicht
besonders glücklich über die Türkin, die mich auf Schritt und Tritt verfolgte.
Als ich dann mehr oder weniger durch Zufall den erlösenden orange-weißen Wimpel
sah, stand wieder die Tschechin neben
mir. Ich war teils verwundert, teils erleichtert. Ergänzt wurde unsere Tram
anschließend noch durch eine Britin, die 4 min vor mir gestartet war. Auf dem
Weg zu Posten 9 kamen wir dann an einer Felswand vorbei, die ich nicht mehr
zuordnen konnte, deshalb blieb ich stehen und änderte anschließend die
Richtung. Schließlich machte ich einen Parallelfehler, der mich nochmals 8min kostete, aber pünktlich am Posten traf
ich meine Tram inklusive einer Schweizerin wieder. Nach der Sichtstrecke war
das Tempo dann zu hoch für mich und ich ließ sie laufen. Erstaunlicherweise
kamen die Britin und die Tschechin aber hinter mir ins Ziel. Direkt nach meinem
Lauf fing es an mit regnen. Der Weg von der Überdachung zur Ergebnisliste
reichte vollkommen aus, um gänzlich durchnässt zu sein. Obwohl ich nach dem ich
im Ziel war, sieben Schichten übereinander trug, war mir kalt. Ich glaube, dass
ist einer der Momente im Leben, wo man sich fragt, warum man eigentlich gerade
das tut, was man tut: nass, bei weniger als 10 Grad über Null am Hang durch den
Wald zu rennen, obwohl die erste Assoziation beim Thema Ferien in Italien im
Juli anders aussieht. Schließlich folgte der Quali-Lauf zur Mitteldistanz. Meine
frühe Startzeit und einige kleinere Fehler sorgten dafür, dass ich im Ziel eine
gefühlte Ewigkeit darum bangen musste, ob ich den Einzug in das Finale
geschafft hatte. Marie und Josi schafften die Quali jeweils ähnlich knapp,
deshalb starteten wir dementsprechend dicht am darauffolgenden Tag. Im Finale
gelang mir noch ein guter Lauf, womit ich mich selbst etwas überraschte, weil
ich diese Konstanz noch gar nicht von mir kannte.
Als Staffelziel galt es dann die Österreicherinnen zu
schlagen. Als Schlussläuferin wurde ich etwa eine Minute vor Australien und
vier min hinter Österreich in den Wald geschickt. Meine Aufgabe war es also
einfach einen sicheren Lauf zu laufen. Zweiter Posten: einfach zwischen den
Felsen durch, auf dem Rücken entlang, bis links die große Senke kommt und dann
zum Posten am Fels. Also lief ich den Rücken entlang bis zur Senke und zu dem
Fels, der mich so freundlich anlächelte. Mhhh; kein Posten. Dafür noch fünf
andere Felsen. Die „Scheibenwischermethode“ brachte beim fünften Felsen
schließlich den gewünschten Erfolg. Posten 3: Mein Plan: einfach an der Kante
lang, den Posten werde ich schon sehen...der Katastrophe entging ich nur knapp,
indem ich doch noch einen Blick auf den Kompass riskierte, der mir verriet,
dass hier etwas nicht stimmte. Die Australierin hatte mich inzwischen überholt
und ich hatte nicht wirklich Lust, diesen Lauf zuende zu bringen. Bis zur
ersten Sichtstrecke konnte ich sie aber wieder einholen und dort erhielt ich
auch die Durchsage, dass die Österreicherin nur noch 2 min vor mir ist und ich
jetzt ja keine Fehler mehr machen soll. Erster Posten nach der Sichtstrecke: zu
spät im Hang hoch und vorbeigelaufen; die Australierin wieder vor mir. „nur
keine Fehler machen“ schallte es noch in meinem Kopf; „ich will nicht mehr“
sagte mein innerer Schweinehund, „ich kann nicht mehr“ sagten die Beine. Dann
ging es noch drei Posten im Hang entlang und ich meinte, vor mir ein rot-weißes
Trikot erblickt zu haben. Irgendwie schaffte ich es bis zur zweiten
Sichtstrecke den Abstand auf 20 Sekunden zu verringern. Der nächste Posten hing
dicht neben dem Weg, man musste eben nur zur rechten Zeit in den Wald stechen;
ich hatte einfach mehr Glück als Verstand und stand direkt am Posten- vor der
Österreicherin, wo ich auch bis zum Ziel blieb. So eine JWM ist aber nicht nur wegen der Wettkämpfe so ein tolles Erlebnis; sondern auch wegen der Nähe zu den anderen Nationen und der Stimmung im allgemeinen. Es gibt zum Beispiel neben dem Kampf um die Medaillen noch den Kampf darum auf die Top-Ten-Listen der anderen Nationen zu kommen, wobei hier nicht die schnellsten, sondern attraktivsten oder sympathischsten Läufer ganz oben stehen. Die eigenen Erfolge oder den Frust über missglückte Läufe konnte man dann zur abschließenden Party verarbeiten. Der Rückweg erfolgte leider schon wenige Stunden später, wobei die ersten 90min der Strecke ausschließlich durch Serpentinen geprägt waren...
Das einzige Gepäckstück, was ich während der zwei Wochen nicht auspacken musste, war übrigens meine Sonnencreme.
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